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| Sargproduktion in Deutschland bleibt unter Druck Die Zahl der in Deutschland hergestellten Särge ist weiterhin rückläufig. Nachdem 2008 der jahrelange Abwärtstrend zum Stillstand kam, hat er sich in diesem Jahr wieder beschleunigt. Die deutsche Sargindustrie (Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten) rechnet für 2009 mit einem rund 11-prozentigen Produktionsrückgang auf rund 160.000 Särge bei einem Wert von ca. 32 Mio. € (-12 %). In den ersten drei Quartalen 2009 war die inländische Sargproduktion vor allem aufgrund des äußerst schwachen zweiten Quartals um 13 % auf 122.000 Särge eingebrochen. Parallel sank nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der Produktionswert um 15 % auf 23,9 Millionen €. Ursache dieser erneut deutlich negativen Entwicklung ist weniger der Verlauf der Sterbezahlen als vielmehr das Ausscheiden von Marktteilnehmern sowie die anhaltend starke Position von Importsärgen. Etwa jeder zweite Sarg stammt aus ausländischer Produktion. Die Sterbezahlen, die allerdings nur bis September 2009 vorliegen, spiegeln diesen Abwärtstrend nicht wider. In den ersten neun Monaten 2009 starben in Deutschland rund 630.500 Personen. Dies sind 0,8 % weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auf das gesamte Jahr gesehen wird mit rund 840.000 Sterbefällen wohl wieder das Vorjahresniveau erreicht werden. Die interne VDZB-Absatzstatistik, die auch Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten erfasst, zeigt zwar ebenfalls eine negative Entwicklung, die jedoch bei weitem nicht das Ausmaß der offiziellen Produktionsstatistik erreicht. Über das gesamte Jahr 2009 melden die Sarglieferanten im VDZB einen Absatzrückgang von 3% gegenüber dem Vorjahr, der bei den eigenproduzierten Särgen höher ausfällt als bei der Handelsware. Für 2010 sind die Sarg- und Bestattungswäschelieferanten, die das Gros der Mitglieder im VDZB stellen, verhalten zuversichtlich. Sie erwarten ein leichtes Plus von 1 % bis 2 % beim Absatz wie auch bei den Verkaufspreisen. Der vorsichtige Optimismus der Branche gründet unter anderem auf der vom Statistischen Bundesamt im November 2009 veröffentlichten 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Danach führt in Deutschland das wachsende Geburtendefizit zu einer Überalterung und damit letztlich zu einer Abnahme der Bevölkerung. Die in Deutschland lebende Bevölkerung wird gemäß dieser Prognose von derzeit rund 82 Millionen auf 79 Millionen bis 2030 schrumpfen. Als Folge wird die Zahl der Verstorbenen von derzeit rund 840.000 über rund 970.000 in 2020 auf rund 1 Million in 2030 ansteigen. Dieser rein quantitative Effekt wird jedoch durch qualitative Aspekte überlagert. So bereitet den Unternehmen der Zulieferindustrie nachhaltig Sorgen, dass neben der Zunahme anonymer und Sozial-Bestattungen ein anhaltender Werteverfall festzustellen ist, der dazu führt, die Hinterbliebenen nicht mit der Pflege des Grabes zu belasten und die Bestattung möglichst einfach, z.B. ohne Abschiednahme am Sarg und ohne Trauerfeier, abzuwickeln. Särge, Bestattungswäsche und Urnen werden zunehmend unter rein funktionalen und finanziellen Aspekten ausgewählt. Der emotionale Gesichtspunkt dieser Produkte kommt dabei häufig zu kurz. Hier ist die Zulieferindustrie gefordert, stärker auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen, um die teilweise selbst gemachte Talfahrt der Branche aufzuhalten. Der Umkehr dieses Negativtrends dienen die seitens des VDZB angebotenen Seminare für Zulieferer und über eine zweite Schiene für Bestatter, in denen die Seminarteilnehmer lernen, die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer jeweiligen Kunden zu erkennen und gezielt umzusetzen. Über diese Schiene soll dem Qualitätsdenken wieder mehr Geltung verschafft und damit letztlich die Zufriedenheit der Kunden verbessert werden. Denn Preisnachlässe zu gewähren, ist zwar einfach, sie erzeugen jedoch keine Nachfrage. Und der Versuch, die Preisführerschaft ohne gleichzeitige Kostenführerschaft zu erringen, führt zwangsläufig in die Sackgasse. Bonn, den 04.02.2010 Siegfried von Lauvenberg |
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